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SciPy
  • Baut auf NumPy auf

  • Kann numerisch integrieren, DGLs lösen, optimieren, minimieren, …

  • Enthält auch physikalische Konstanten und wichtige mathematische Funktionen

Überblick über (fast) alles Weitere, was SciPy kann, gibt es hier:

Inhalt

Abrufen von Naturkonstanten

Wenn solche Konstanten genutzt werden, muss das korrekt mitgeteilt, also zitiert werden. Darauf gehen wir nächste Woche im LaTeX-Workshop ein :-)

(Quelle hier: scipy + version)

planck_value = 6.62607015e-34
planck_full = (6.62607015e-34, 'J Hz^-1', 0.0)
373.15
-173.14999999999998
37.77777777777777
180.0
1.5707963267948966

Fitten

Oft möchte man eine Funktion mit freien Parametern, zum Beispiel eine Erwartung aus der Theorie, an die gemessenen Werte anpassen. Dies nennt man Fit.

Die Funktion scipy.optimize.curve_fit nutzt die numerische Methode der kleinsten Quadrate, die arbiträre Funktionen fitten kann. Für Funktionen, die eine Linearkombination von Einzelfunktionen sind, also

f(x)=∑iNai⋅fi(x),f(x) = \sum_i^N a_i \cdot f_i(x),

existiert eine analytische Lösung. Deswegen sollten in solchen Fällen (z.B. alle Polynome) entsprechende Funktionen genutzt werden (z.B. np.polyfit).

Lineare Regression bzw. Regression von Polynomen

Im Folgenden wird eine lineare Regression mit np.polyfit durchgeführt:

f(x)=a+b⋅xf(x) = a + b \cdot x
<Figure size 1000x800 with 1 Axes>
a = 4.977 ± 0.021
b = 0.070 ± 0.124
<Figure size 1000x800 with 1 Axes>

Nichtlineare Funktionen der Parameter

Wenn eine Funktion nicht linear bezüglich der freien Parameter ist, muss die Lösung numerisch gefunden werden.

Als erstes Beispiel dafür schauen wir uns folgende Daten an:

<Figure size 1000x800 with 1 Axes>

Diese Daten sollen an in der Theorie eine Sinus-Kurve beschreiben. Wir schreiben den Sinus allgemein als

U(t)=a⋅sin⁡(b⋅t)+c .U(t) = a \cdot \sin(b \cdot t) + c~.

und definieren uns die entsprechende Funktion im Code.

Für das fitten nutzen wir jetzt curve_fit und bekommen wieder die Parameter und Kovarianz-Matrix als Rückgabewerte.

a = 7.458 ± 0.255
b = 0.982 ± 0.008
c = 0.128 ± 0.172

Jetzt können wir die gefittete Funktion in den Plot der Messwerte hinzufügen.

<Figure size 1000x800 with 1 Axes>

Bei dieser Variante des Fits kann es passieren, dass der Minimierungsalgorithmus in lokale Maxima hineinläuft und unsinnige Ergebnisse liefert, dies kann mit guten Startwerten meistens vermieden werden.

Als Beispiel einer komplexeren Funktion wird im Folgenden die Sigmoidfunktion verwendet (ähnlich zum tanh):

f(x;a,b,c)=a1+exp⁡(−(x−b))+cf(x; a, b, c) = \frac{a}{1 + \exp(-(x-b))} + c
<Figure size 1000x800 with 1 Axes>

Die Messwerte aus einem Praktikumsversuch:

<Figure size 1000x800 with 1 Axes>

Ein einfacher Fit wie oben funktioniert hier nicht so gut:

a = -307.054 ± inf
b =    1.000 ± inf
c =  307.767 ± inf
/tmp/ipykernel_41925/1664943109.py:1: OptimizeWarning: Covariance of the parameters could not be estimated
  params, covariance_matrix = curve_fit(sigmoid, x, y)

Schaut man sich die berechnete Ausgleichskurve an sieht man auch, dass das nicht stimmen kann:

<Figure size 1000x800 with 1 Axes>

Was macht man jetzt?
Bei solchen Fragen hilft die Dokumentation der Pythonmodule (hier: scipy) oder Stack Overflow weiter.
Folgendes Google-Muster ist ein guter Anfang (beachte englische Sprache):

python <module-name> <function-name> <What went wrong?>

Also in diesem Fall: python scipy curve_fit fails

Damit dieser Fit funktioniert müssen die Startwerte für den internen Minimierungsalgorithmus angepasst werden.
Aus der Dokumentation/Stack Overflow wissen wir jetzt, dass man mit dem keyword argument p0 (Standardwert is p0=(1,1,1)) die Startwerte einstellt:

a =   -0.494 ± 0.014
b =   40.668 ± 0.137
c =    0.839 ± 0.006
<Figure size 1000x800 with 1 Axes>

Zum Vergleich der beiden Anfangswerte (seeds) kann man sich die einmal ansehen und mit den angepassten Parametern vergleichen:

<Figure size 1000x800 with 1 Axes>

Die richtigen Startwerte findet man entweder durch

  1. trial and error => einfach ausprobieren bis es klappt

  2. nachdenken => siehe unten

Im obigen Beispiel musste nur der Parameter b angepasst werden, weil der für die Form der Kurve sehr wichtig ist.

f(x;a,b,c)=a1+exp⁡(−(x−b))+cf(x; a, b, c) = \frac{a}{1 + \exp(-(x-b))} + c
<Figure size 1000x800 with 1 Axes>

Der Parameter bb gibt den xx-Wert an, bei dem die Funktion auf die Hälfte des Maximums abgefallen ist.
Bei den Messwerten oben ist die Stelle ungefähr bei x=40x=40, also ist b = 40 ein guter Startwert.

Das lässt sich auch automatisieren:

40.8 0.5586250642
<Figure size 1000x800 with 1 Axes>

Weitere nützliche Funktionen für das Praktikum

Folgende Eigenschaften von Scipy sollen nur die Idee vermitteln, was noch alles möglich ist.

Statistische Verteilungen und Funktionen

Das scipy.stats Modul enthält viele Wahrscheinlichkeitsverteilungen und -funktionen. Als Beispiel wird hier jedoch nur die Standardabweichung des Mittelwertes berechnet.

1.4529663145135578

Finden von Peaks

Das scipy.signal Modul enthält Funktionen zur Signalverarbeitung. Das kann interessant sein zum automatischen Finden von Peaks, oder Bestimmung der Periodizität.

<Figure size 1000x800 with 1 Axes>